vdh Info-Treffen

Der Mercedes-Benz W 126-Club e.V.
zu Gast in Ornbau

Pfingsten 2005



Ornbau - Historische Stadt vom Stern belagert

"Während der arbeitsfreudigen Regierungszeit des außergewöhnlich befähigten Fürstbischofs Wilhelm von Reichenau entstand im Eichstätter Hochstift förmlich ein System von Befestigungsanlagen. In diesen Befestigungsplan wurde auch die Stadt Ornbau im oberen Hochstift einbezogen. Bischof Wilhelm von Reichenau erkannte das Bedürfnis der Zeit, die Grenzstädte des Hochstifts stärker zu schützen. Er merkte, dass die Burggrafen von Nürnberg mit lüsternen Augen auf die bischöflichen Besitzungen im Eichstätter Oberlande schauten. Diesem Vorhaben kam er in weiser Voraussicht zuvor, indem er die Stadt Ornbau befestigte und zu einer Garnisonstadt ausbaute. Er fand dabei einen Verteidigungsring, der 200 Jahre vor ihm begonnen worden war. Die erste Befestigungsanlage von Ornbau wurde um 1286 angelegt" - so stellt sich die 1800 Seelen zählende, idyllische Kleinstadt nahe Ansbach bei Nürnberg vor.

Doch in der Gegenwart, einmal im Jahr, halten die historischen Befestigungen einer neuartigen Form von Belagerung nicht mehr Stand: Jedes Jahr zu Pfingsten lädt unser Partnerclub, der Verein der Heckflossenfreunde (vdh), zum großen Infotreffen ein. Über 800 Fahrzeuge mit dem Stern und weit mehr enthusiastisch begeisterte Mercedes-Freunde treffen sich in Ornbau, dem Vereinssitz des vdh, und legen das öffentliche Leben über Pfingsten lahm: Die meisten Straßen in Ornbau sind gesperrt, Weideflächen werden von Campern besiedelt und im Umkreis von über 100km füllen sich Hotels und Pensionen. Es ist eine Zeit, in der jeder Ornbauer prüfend in seine Garage blickt und sich fragt, ob er etwas falsch gemacht hat.

Teilebörse, Clubtreffen, Fahrzeugpräsentation, vdh-Museum, Versteigerung, Seifenkistenrennen - am Infotreffen kommt niemand vorbei: Mitglieder aller Mercedes-Clubs, Interessenten der Marke, Vertreter von DaimlerChrysler, Restauratoren und Händler - hier trifft sich alles und Jedermann, der unter Mercedes mehr versteht, als "nur" den bedeutendsten Fahrzeughersteller der Welt! Das Infotreffen ist mehr als Autobegeisterung, es ist pure Faszination, Herzblut!

2005 wurde erstmals der Mercedes-Benz W 126-Club e.V. eingeladen, sich direkt neben dem Vereinsgebäude des vdh zu präsentieren: Es war beim Präsidententreffen 2004, als Horst Stümpfig, 1. Vorsitzender des vdh, mir sagte: "Ihr müsst kommen! Da geht´s richtig ab!" So viel sei vorweg genommen, er hatte in keiner Silbe übertrieben!

Es war eine Einladung unter Freunden, aber auch eine große Herausforderung: Nach der Retro Classics in Stuttgart und der Techno Classica in Essen folgte nun Schlag auf Schlag eine neue Großveranstaltung, der wir angemessen begegnen wollten.


Willkommen in Ornbau - beim Mercedes-Benz
W 126-Club e.V.!




Bereits während der abschließenden Messebesprechung im Januar besichtigten Horst Krämer und ich unsere gut 500qm große Ausstellungsfläche. Die Bedingungen waren optimal, jedoch war auch schnell klar, dass es "größer" wird. Dass wir nicht mit zwei Autos und einem Sonnenschirm kommen können und wollen war von Anfang an klar. Wir legten diesen Termin gedanklich zunächst zur Seite und widmeten uns wieder den Messen - bis zum gemeinsamen Abendessen beim vdh, als Bettina Stümpfig uns geradezu beiläufig fragte: "Ihr macht doch beim Seifenkistenrennen mit?" "Selbstverständlich!" Beim Essen platze es dann grinsend aus Horst Krämer heraus: "Marc, ich hab´s: Wir bauen einen Starfighter!" Bingo! Wenn wir nun schon den Spitznamen "Starfighter-Club" tragen, dann sollten wir ihm auch gerecht werden.


"Lockheed W 126" - langsam, aber laut!



Die Messen nahmen ihren Lauf und Ornbau rückte immer näher. Noch während der Messe in Essen bot Peter Hopfinger, Leiter Sektion OWL, seine aktive Unterstützung an. Das war eine echte Hilfe! Horst Krämer, der schon kräftig vorgearbeitet hatte, übergab alle Unterlagen, bisher getroffenen Arrangements und Informationen an Peter, der fortan federführend das "Projekt Ornbau" übernahm.

Das Thema der Präsentation fand sich recht schnell: "Kaufberatung mit Erläuterung an exemplarischen Fahrzeugen". Peter nahm seine Aufgabe sehr ernst, organisierte eine gut ausgewählte Anzahl an Fahrzeugen von top gepflegten Kilometerzwergen bis zu technisch restaurierungswürdigen aber gut polierten "Blendern". Als Krönung konnte er unser Mitglied Oliver Stork dafür gewinnen, seinen vollkommen ausgebeinten aber noch rollbaren 126er auf einem Trailer von Neu-Isenburg bei Frankfurt/M nach Ornbau zu bringen, nachts nach Hause zu fahren und am nächsten Tag mit seinem US-126er zum Veranstaltungsbeginn wieder da zu sein! Ein unglaubliches Engagement, dem ein einfaches "Danke!" wohl kaum gerecht werden kann. Wir werden dies nicht vergessen!


Ob auf Hochglanz poliert ...

... oder völlig ausgebeint - ...

... unser Club zeigte den Typ 126 in allen Facetten und bot dem interessierten Publikum ein umfassendes Bild über die Stärken und (Alters-) Schwächen der erfolgreichsten S-Klasse aller Zeiten.



Aber auch allen anderen, die zum Erfolg der ersten Teilnahme des Mercedes-Benz W 126-Club e.V. am vdh-Infotreffen beigetragen und teilgenommen haben, gilt aufrichtiger Dank!

Abrundend konnte Horst Krämer unseren Club-Archivar Karl-Heinz Götz und seine Frau für einen Verkaufsstand gewinnen, der von Modellautos über selten gewordene Literatur und Prospekte bis hin zu nicht mehr von Mercedes-Benz lieferbaren Klebeschildern reichte - ein echter Publikumsmagnet!


Verkaufsstand mit Karl-Heinz Götz - hier gibt es einfach alles!



Unsere Präsentation in Ornbau war jedoch mehr als eine Beratungsstelle: Es war vor allem ein Ort der Begegnung und des Wiedersehens mit Mitgliedern und Freunden des Clubs, das abends beim gemütlichen BBQ schöne Ausklänge fand. Ornbau war anders als die Messen, nicht weniger aufwändig, aber weniger stressig. Es gab einfach mehr Zeit, sich mal wieder richtig zu unterhalten, den Dialog zu finden.


Einfach mal locker bleiben, ...

... ein kühles Blondes trinken!



Für den Sonntagvormittag hatte Erich Matzek einen Classic Data-Gutachter, Herrn Baumeister aus Balingen-Ostdorf, eingeladen, der vor Ort für alle Interessenten Oldtimer-Kurzgutachten vornahm. Zahlreiche Fahrzeuge verschiedenster Baureihen drängten sich auf unser allmählich überfülltes Areal - tolle Resonanz!


Classic Data-Gutachten - fast wie am Fließband!



Gegen Mittag wurde es dann spannend: Das Seifenkistenrennen stand bevor! Alles war bisher streng geheim. Niemand wusste von der Seifenkiste, die teilzerlegt und abgedeckt im gemieteten Sprinter stand. Wir waren sicher, dass wir mit unserem 200kg schweren, 5m langen und gut 3m breiten Monster nicht auf Geschwindigkeit gesetzt hatten, aber unser Starfighter sollte in fröhlicher Erinnerung bleiben!

Horst Krämer hatte Glück: Er fand bereits Monate vor Ornbau bei E-Bay eine Seifenkiste mit Lenkung, Luftbereifung und Bremse. Es war eine reinrassige, kleine und auf Leichtbau gesetzte Renn-Seifenkiste, die er für schlappe EUR 50,- ersteigern konnte. Wir hatten ein Fahrgestell - nur leider weit, weit weg! Peter Hopfinger holte die Seifenkiste ab und brachte sie aus Westdeutschland in den Schwarzwald nach Baiersbronn zu Horst. Der Bau konnte beginnen! Durch mein beruflich bedingtes Interesse an militärischer Luftfahrt konnte ich auf einen großen Fundus an Bild- und Tonmaterial militärischer Jets zurückgreifen. Tonmaterial? Ja, denn wenn der Mercedes-Benz W 126-Club e.V. eine Seifenkiste baut, dann auch richtig! Mit Unterstützung eines Schreiners bauten Horst Krämer und unser jüngstes Mitglied Ricky den Starfighter nach originalem Vorbild aus Holz! Die Lackierung erfolgte im typischen Mercedes-blau-weiß der 80er Jahre, die Hoheitszeichen und Sidemarkings wichen unserem Clubstern und unserem Schriftzug. Entsprechend der internationalen Luftfahrtbestimmungen blinkten am Heck und den Tragflächenenden in rot (backbord), grün (steuerbord) und weiß die Positionsleuchten, rote Halogenstrahler ließen den Nachbrenner im Triebwerk zünden und eine Endstufe mit 500 Watt ließ über einen 38cm Woofer originale Triebwerksgeräusche des Starfighters in ohrenbetäubender Lautstärke erschallen! Unter der Plexiglasscheibe des Cockpits verbarg sich hinter dem Steuer die Schaltkonsole für die Technik und dem hohen Gewicht der Autobatterie aus Andreas Imgrunds 116er 350 SE wirkten Gehwegplatten im Fußraum als Gewichte entgegen! Analog dem originalen Vorbild, das bei verschossener Munition der Bordkanone etwas hecklastig war, tendierte auch die Seifenkiste ohne Gegengewichte zu ungewollten Kavallierstarts auf zwei Rädern.


Vom Taxiway zur Runway!



Unsere Seifenkiste entsprach nicht wirklich dem Reglement, aber das warf uns niemand vor. Angesichts des hohen Gewichts billigte uns die vdh-Rennleitung sogar zu, den Starfighter zu dritt zu manövrieren. Eigentlich besteht ein Seifenkisten-Team aus zwei Köpfen, aber man hatte Mitleid: Beim vdh-Seifenkistenrennen beginnt die Zeit nämlich bereits am Fuße des Berges, von wo die Seifenkiste mit dem Fahrer am Steuer den Berg hinaufgeschoben werden muss und die Zeit wieder gestoppt wird, wenn das ganze Team mit Seifenkiste wieder über die Ziellinie gerollt ist.

Mit Ricky am Steuer zog Horst Krämer vorn am Seil und ich schob hinten mit aller Kraft. Das erste Stück war ebenerdig und wir nahmen gut Fahrt auf. Ich konnte leider nichts sehen, weil das Höhenruder beim Starfighter oben auf dem Seitenruder montiert ist. Ich hatte gewissermaßen das sprichwörtliche Brett vorm Kopf. An einer Bodenunebenheit stolperte ich und es hat mich dann in hohem Boden auf die Bretter - Entschuldigung - den Asphalt geworfen. Doch wir fuhren ein Rennen. Für Horst wurde es nun schweißtreibend denn er zog nun allein, während ich mich aufrappeln und hinterherlaufen musste. Am Berg bekam Horst dann Hilfe von unseren Mitgliedern. Als ich den Berg halb hoch gelaufen war, kam mir Ricky bereits mit hoher Geschwindigkeit entgegen, während Horst oben kurz nach Luft rang.




Der Start hörte sich schneller an als er war - ...

... aber es war eine riesen Gaudi!



Kurz um: Ricky im Starfighter war schnell, das Team war langsam. Ich joggte mit aufgeschlagenen Händen über die Ziellinie zur freiwilligen Feuerwehr Ornbau, die ebenfalls am Rennen teilnahm, um mich versorgen zu lassen, Horst schnaufte auf dem letzten Loch den Berg hinunter. Wir wurden letzter!

Doch nach dem Rennen bewertete eine Jury alle Seifenkisten, die vom rollenden Surfboard über einen Sarg auf Rädern, einen bewundernswert gelungenen Silberpfeilnachbau, eine Autoscooter-W 123-Heckflossen-Mixtur und einen entmotorisierten Vespa-Dreiradroller über die Renn-Zigarre vom Team Stümpfig und eine Rahmenkonstruktion mit Chromkühlergrill bis zu unserem Starfighter reichte. Auch das Rennmobil der Feuerwehr und die Doppelfahrrad-Heckflossenkombination überzeugten. Starke Konkurrenten! Umso mehr freuten wir uns über einen ersten Platz bei der Jury, der uns auf einen 4. Platz im Gesamtklassement brachte! Was für ein Spektakel.


Vom Silberpfeil, ...

über einen siegreichen Renn-Sarg, ...

... unterschiedlichste Variationen moderner Fahrwerkstechnik, ...

... "Bad Toys For Bad Boys", ...

... bis zum High-Speed-Scooter zeigte die Kreativität der Stern-Enthusiasten keine Grenzen!



Neue Mitglieder konnten gewonnen, Freundschaften gepflegt und neue Kontakte geknüpft werden. Das wichtigste war jedoch die Begegnung mit vielen Mitgliedern und Freunden der Baureihe 126, die wir in entspannter Atmosphäre begrüßen konnten. Wir haben uns in Ornbau beim vdh unter Freunden und sehr wohl gefühlt.

Mit den Worten Horst Stümpfigs "Ihr gehört fest zum Programm!" haben wir wohl die herzlichste Einladung für das nächste Jahr bekommen, die man unter Freunden erhalten kann.

Danke! Wir kommen wieder!


Marc Westhofen


(Fotos: Birgit Faltermeyer, Horst Krämer, Peter Hopfinger & Marc Westhofen)