Bremen Classic Motorshow 2007
Messe Bremen/
02.-04. Februar




Unser Mann in Bremen - so hieß es damals in den Siebzigern auf einem Wahlplakat der SPD. Gemeint war die Bremer Legende Dr.h.c. Hans Koschnick. Im August 1965 wurde Koschnick Bürgermeister und ab 28. November 1967 Regierungschef des Bundeslandes Bremen. Nach rund 18 Jahren im Amt trat er am 18. September 1985 vom Senatsamt zurück.

Sein treuer Begleiter: ein V 116er 280 SEL.

Dank unseres Mitglieds Tom Heldt konnten wir bei unserem Debüt in Bremen zur CLASSIC MOTORSHOW 2007 dieses Fahrzeug erstmals auf einer Messe zeigen.


Hoher Andrang beim Club.



Aber lassen wir Tom Heldt selbst erzählen, wie er zu der S-Klasse kam: "... wie gesagt, habe ich mehr oder weniger "blind", d.h. bei autoscout24, auf der Suche nach einem W 123 280 CE die S-Klasse gefunden. Am nächsten Tag 400 Kilometer nach Salzgitter gefahren und ohne Probefahrt nur nach Sicht gekauft und eine Woche später abgeholt. Da wusste ich noch nichts von seiner "Vergangenheit". Laut KFZ-Brief lief der Wagen seit dem 17. Januar 1977 bei der Senatskanzlei Bremen mit dem Kennzeichen HB-3-1. Dort habe ich mich dann durchgefragt, um näheres zu erfahren. Meine Vermutung war ja, daß es sich um den Dienstwagen irgendeines Senators handelt. Das es am Ende der Wagen des Senatspräsidenten und Bürgermeisters Hans Koschnick war, war natürlich eine große Überraschung und eine Freude, denn Hans Koschnick war und ist noch immer einer der ganz großen Männer der Sozialdemokratie in Deutschland. Er war gut 18 Jahre in Bremen im Amt und Würden, später in seiner Eigenschaft als Landesvater auch turnusgemäß Bundesratspräsident.

Während der nächsten knapp zwei Jahre stand ich dann mit Herrn Thorsten Eden von der Senatskanzlei in ständigem Kontakt, der mir kenntnisreich und hilfsbereit meine Fragen zum Wagen in Bezug auf den Auslieferungszustand beantwortet hat.

Zur BREMEN CLASSIC MOTORSHOW 2006 sind wir als Besucher nach Bremen gefahren, noch ohne den Gedanken, ihn dort ein Jahr später, pünktlich zu seinem 30. Geburtstag präsentieren zu dürfen.

Wir wollten aber unbedingt nach Bremen zurückkommen, was sich aber hinzog, weil die Wiederinstandsetzung des Dicken dauerte und dauerte. Herr Eden wurde über jeden Fortschritt unterrichtet, und ließ sich wohl mit der Zeit von unserer Begeisterung für das gute Stück anstecken. Jedenfalls lud er uns für den Fall, dass wir mal wieder an die Weser kommen würden, ins Rathaus ein, um den Wagen vorzuführen.

Auch mit Herrn Dr.h.c. Koschnick hatten wir schriftlich Kontakt, der sich ebenso überrascht wie erfreut zeigte, dass sich jemand um den Erhalt "seines" alten Dienstwagens sorgte und kümmerte. Da er damals schon nicht flog, wurden seinerzeit große Strecken (Bremen – Bonn - Berlin) im Auto zurückgelegt. Die 400.000km auf der Uhr erscheinen mir da eher noch zu wenig...

Auf jeden Fall, so schrieb mir jetzt Herr Auleb, einer seiner Fahrer, habe ihn der Wagen nie im Stich gelassen - Kommentar überflüssig.

Aus Sicherheitsgründen (1977 - die RAF liess grüssen) war das Fahrzeug mit drei Kennzeichen ausgestattet. Zwei Behördenkennzeichen (HB-3-1, HB-3-8) und eine neutrale HB-Nummer (HB-CK 330), die übrigens die Initialen von Frau Koschnick trug. Die "3" stand für die Bremer Behörde und die "1" für Bürgermeister Hans Koschnick auf Dienstfahrt.

Auf der Messe erschien dann auch tatsächlich Herr Eden auf unserem Stand, um das "Endergebnis" in Augenschein zu nehmen, und lud uns für Montagmorgen ins Rathaus ein. Dort bot er mit uns dann eine Führung durch das gesamte Gebäude (also nicht das Touristenprogramm). Er erläuterte uns die Geschichte der einzelnen Gebäudeteile und führte uns durch die historischen Räume, die zum größten Teil noch heute genutzt werden. Immerhin stammen die ältesten Teile des Rathauses aus dem 15. Jahrhundert! Sogar den Balkon und den Dachboden durften wir besteigen.

Als Krönung des Besuches wurden wir am Ende noch Herrn Koschnick vorgestellt, der noch immer ein Büro im Rathaus hat und fast täglich dort arbeitet. Der Mann wird bald 80, nicht nur dafür verdient er allerhöchsten Respekt und Hochachtung."


Thorsten Eden begutachtet einen alten Freund: den 280 SEL



Obwohl unsere Ausstellungsfläche begrenzt war, stellten wir zwei Fahrzeuge aus. Das zweite war ein V 126er 560 SEL von unserem Mitglied und Technikreferenten Friedrich Lindenberg aus Berlin. Friedrichs Auto bestach durch Ausstattungsmerkmale, die besonders ins Auge fielen, wie zum Beispiel: Autotelefonfesteinbau Telecar 900 CD mit Freisprecheinrichtung und Sprachbedienung, Coupésitzanlage elektr. verstellbar mit orthopädischen Sitzlehnen, Olympia Roadfax in Coupesitzanlage integriert, elektrisch ausfahrbare Tische in Vordersitzlehnen integriert, ausziehbar, Wurzelholz zweifach, Arbeitsleuchten am Dachhimmel (Fond), Schiebedachbedienung aus dem Fond rechts, Airbag für Fahrer und Beifahrer, hydropneumatische Federung, Antriebsschlupfregelung (ASR) usw.


Friedrich Lindenbergs 560 SEL - ein Fahrzeug, das in jedem Detail fotogen ist, außen...

... und ganz besonders innen!



Da über den Ausstellungszeitraum von insgesamt drei Tagen der Besucherstrom kaum Abriss, wurde uns eine gelungene Premiere in Bremen durch das Publikum bestätigt. Kein Wunder, waren wir doch mit drei Technikreferenten und unserem Vorstand für Baureihenintegration gut besetzt - was den Technikinteressierten zu gute kam. Besonders aufgefallen sind sicherlich auch unsere netten Mädels, die unseren Besuchern mit Rat und Auskunft zur Seite standen. Schön war auch das Wiedersehen mit vielen Mitgliedern, die von weither angereist waren.

Besonders gefallen hat mir persönlich das herzhafte Miteinander des Messe-Teams, das aus Horst Krämer, Friedrich Lindenberg, Bernd Dammann, Armin Voß, Gabi Althoff, Gerben (Elwood) van Vlimmeren, Thomas und Manuela Sterl, Tom Heldt, Tina Breitkopf und mir bestand. Der Freitagabend hat sicherlich dazu beigetragen sich näher kennen zu lernen (Stichwort für Insider: "Schwarze Fliege").

Die Messe in Bremen ist sicherlich ein weiteres Highlight im Kalender des Mercedes-Benz S-Klasse Club e.V.!


Auf Wiedersehen in 2008!

Heinz Hermann Vosse




(Fotos: Bernd Dammann)